iLife '08 • iMovie 08 kritisch betrachtet
iLife 08 sorgt insgesamt für ein
geteiltes Echo. iMovie 08 allerdings sorgt in erster
Linie für Entsetzen. Selbst David Pogue zerreißt
die Videoschnitt-Software in der New York Times und
schimpft, dass Apple dem Ding wenigstens einen neuen
Namen hätte geben sollen.
Vorweg sage ich dazu so viel: Damit hat er Recht. iMovie 08 ist so anders, dass es nicht mehr iMovie heißen dürfte.
Weiter. Titel aussuchen, rüberziehen, in der Vorschau einfach überschreiben. Kein Problem. Länge kann geändert werden, mit dem nötigen Maus-Feingefühl. Den blauen Balken links in die gewünschte Länge im Verhältnis zum Bild ziehen.

Die Übergänge sind auf ein Minimum zusammengestrichen worden. Ganze 12 hat man zur Auswahl. Auch noch eine Menge, aber diese 12 sind auch gänzlich unflexibel, die müssen so genommen werden, wie sie da stehen unter Vorgabe der in den Einstellungen ausgewählten Länge. Einen gewissen Vorteil hat die Beschränkung ja: Manch einer neigt ein wenig dazu, sein Projekt mit zu vielen zu unterschiedlichen Übergängen zu verschandeln. Die Gefahr wird bei iMovie 08 radikal reduziert.
Der gute Ton
Kommen wir zu meinem persönlichen Lieblingsthema. Der Vertonung. Ein allgemeines Ärgernis für Tontechniker ist, dass der Ton nach Meinung vieler (auch vieler Verantwortlicher z.B beim Fernsehen) immer nur eine Nebenrolle spielt. Vollkommen unwichtig das Ganze. Tja, warum gibt es für Spielfilme wohl aufwändig komponierte Soundtracks? Der Ton ist ganz entscheidend für die Gesamtwirkung. Hallo Apple, habt Ihr das vergessen? Ton zählt auch. Gut, ich kann diverse Audioeffekte und Musiken übereinanderlegen, aber Bildgenau? Vergiß es. Ja und wie war das mit der Lautstärke? Wie? Für den ganzen Clip??? Nichts mit Blenden? Eine Katastrophe! Da hört es für mich wirklich auf, ne so geht das nicht.

Prima, man kann seine Videos jetzt mit persönlichen Kommentaren versehen mit der der VoiceOver Funktion. Fast jeder Consumer Mac, der auch noch die Systemvoraussetzungen erfüllt hat ein eingebautes Mikrofon. Da kann also auch fast jeder jetzt lustig draufsprechen. Okay, zur Kenntnis genommen.

Was hingegen gar nicht geht, auch in Apples PDF-Dokument konnte ich nichts finden: Ein einfaches Ausblenden am Ende des fertigen Clips. Da reißt die Musik einfach so ab. Na super...
Kleines Detail am Rande: Die meisten iLife SoundEffects aus der Bibliothek firmieren beim Interpret noch als Apple Computer, Inc.

Zur wirklich brauchbaren Vertonung des Clips, wenn man es gerne schön hätte und nicht nur einfach und schnell gibt es zum Gück noch eine Lösung: GarageBand. Da kann sich den Clip importieren und eine richtig schöne Filmmusik komponieren. Wer das vorhat sollte sich darüber schon von vornherein klar sein und jegliche Anläufe einer Vertonung in iMovie selbst strikt unterlassen. Das führt später nur zu Unzufriedenheit. In GarageBand kann man seinen deutlich aufgewerteten Clip wieder in einen Film umwandeln, von hier aus läßt er sich nämlich auch wieder für iDVD bereitstellen.
Das Ende
Ein guter neuer Ansatz ist die Möglichkeit das Video anzupassen, wie in iPhoto Farbstiche abzumildern oder ähnliches. Da kann man so als HeimkinofilmchenClipSchnippeler vielleicht doch noch mal was verbessern.

Ich will speichern. Speichern??? Gibt es nicht. Ich kann nur Bereitstellen. Und für was? Argh! iTunes, Medienübersicht, YouTube und .Mac Web Galerie. Da kann ich nichts mir anfangen, gar nichts. Na, immerhin gibt es QuickTime und FInal Cut XML Export. Ich bearbeite mit iMovie Filme (also würde ich gerne) unserer Tochter für die Verwandtschaft und das muß auf DVD. Jawohl. Exportieren? Och nööö:

So, aber wie war das jetzt mit dem Speichern? Dann stolpere ich meinen eingangs gegebenen Hinweis mit der Mediathek. Alles was ich mir da zusammenklicke steht in der Mediathek und der Medienübersicht. Na bravo, das kann ja eine ellenlange Liste werden. In gewisser Hinsicht sehr einfach, aber nicht gerade individuell anlegbar. Da muß ich mich noch mal näher mit auseinandersetzten, was Sortierung, löschen etc. betrifft. Umbennen geht dafür ganz einfach.


Fazit
iMovie 08, der iLife 08 Bestandteil über den am meisten diskutiert wird. Was ist nun dran an dem von Grund auf neu gestaltetem Videoschnittprogramm? Sagen wir es mal so: Wenn man von Videoclips und nicht mehr Videofilemen redet, ist iMovie 08 gar nicht so schlecht wie sein Ruf ihm vorauseilt. Als Filmschnittprogramm taugt es hingegen wenig. Für wirklich gute Schnitte sollte man lieber beim alten iMovie 6 bleiben. Da hat man eine Zeitlieste und auch für eine ordentliche Vertonung muß man nicht wie in iMovie 08 auf ein externes Programm zurückgreifen. Ja, sicher ist auch GarageBand Bestandteil von iLife, aber dafür muß Otto-Normal-Anwender statt eines gleich zwei Programme erlernen. Nicht gerade die gewohnte Apple-Anwenderfreundlichkeit, nicht gerade das gewohnte einfache und schon gar nicht schnell.
Für jemanden, der wirklich nur Videoclips für You Tube oder für seinen .mac-Account, also für's Internet erstellen will, ist das neue iMovie sicher eine sehr gute Wahl. Es braucht ein wenig Eingewöhnungszeit, aber dann kann sich schnell seinen Clip zurchtbasteln. Hat man das Timeline-freie Prinzip verstanden, kann man fast sagen, dass das Grundkonzept schon wieder genial ist. Auf seine eigene Weise halt. Allerdings bedarf iMovie 08 doch noch einiger Weiterentwicklung, Steve Jobs deutete bei der Keynote schon an, dass da noch einiges an Potenzial vorhanden ist. Das Minus an Übergängen kann also noch wieder mehr werden.
Wer allerdings halbwegs Wert auf Präzisionsarbeit legt, wer mehr will für sich und seine Videofilme, der sollte beim alten iMovie bleiben. Sicher hätte Apple es noch weiter verbessert, wäre die Gefahr relativ groß gewesen, dass iMovie zu sehr in die Gefilde von FinalCut Express wildert. Das kostet immerhin um die 300 Euro. Aber ehrlich gesagt, dürfte das für die meisten dann doch wieder zu kompliziert sein.
Wie gesagt, iMovie 08 ist gar nicht so schlecht, wie man zunächst meinen könnte, ganz im Gegenteil. Es folgt einem neuen Konzept, das müßte auch noch ein wenig verbessert werden. Auch die Übersichtlichkeit ist für kleinere Monitore nicht gerade ideal. Man muß nur fähig sein, sich von alten Gewohnheiten in der Arbeitsweise zu trennen, dann kann man auch mit iMovie 08 gut arbeiten. Die Zielgruppenanwender von iLife 08 sollten es zumindest können. Wem es nicht ausreicht, der kann wieder auf iMovie 06 zurückgreifen, diese Möglichkeit gibt es zum Glück ja.
Apples größter Fehler an iMovie 08 war wirklich der Name. Hätten sie es umgenannt und iMovie in Frieden ruhen lassen, hätte es zwar Entrüstungsschreie gegeben, dass man iMovie doch nicht einfach so sterben lassen kann. Aber die Auseinandersetzungen mit dem neuen Videoclip Progrämmchen wären wohl wesentlich offener verlaufen, das Geschimpfe sehr viel geringer.
iLife '08 kostet im Apple
Store 79 Euro
bei Amazon ebenfalls 79 Euro,
bei Cyberport 74,90
und
bei Arktis 69,90
Euro.